Pessare nach Geburt und Schwangerschaft

Pessare nach Geburt und Schwangerschaft

Schwangerschaft und Geburt belasten den Beckenboden stark. Der Körper braucht danach Zeit, um sich zu erholen. Viele Frauen haben nach einer natürlichen Geburt Beschwerden wie Druck nach unten, ein Fremdkörpergefühl, Blasenschwäche oder das Gefühl, im Unterleib nicht mehr „richtig stabil“ zu sein. Genau hier kann ein Pessar helfen.


Was ist ein Pessar?


Ein Pessar ist ein medizinisches Hilfsmittel aus anpassungsfähigem Silikon. Es wird in die Scheide eingeführt und stützt den Beckenboden von innen. Dadurch werden Muskeln, Bänder und das Bindegewebe entlastet. Die Organe werden leicht angehoben und bekommen wieder mehr Halt. Viele Frauen erfahren erst Monate nach der Geburt von dieser Möglichkeit. Dabei kann ein Pessar schon früh nach der Entbindung eine wertvolle Unterstützung sein.


Warum der Beckenboden nach der Geburt Unterstützung braucht


Eine natürliche Geburt ist eine enorme Belastung für den Körper. Muskeln und Bindegewebe werden stark gedehnt. Auch wer Glück hat und keine größeren Risse erleidet: Zu kleineren Verletzungen im Gewebe kommt es fast immer.

Bisher setzte man nach der Geburt oft nur auf Beckenbodentraining als geeignete Rückbildung. Doch inzwischen weiß man: Nicht nur die Muskulatur braucht Hilfe, sondern auch das Bindegewebe und die Haltestrukturen. 


Man kann es sich wie bei einer Wunde auf der Haut vorstellen: Gewebe heilt besser, wenn es nicht ständig weiter belastet wird. Genau hier setzt das Pessar an. Es stützt den Beckenboden im Alltag und gibt dem Körper Zeit zur Regeneration. Das Gute dabei: Die Frau muss nicht aktiv daran denken, ihren Beckenboden zu trainieren. Das Pessar wirkt von ganz allein.


Pessare können Beschwerden vorbeugen


Immer mehr Fachleute empfehlen heute den präventiven Einsatz von Pessaren nach einer natürlichen Geburt. Das bedeutet: Ein Pessar kann sinnvoll sein, auch wenn noch keine starken Beschwerden vorhanden sind.


Der Gedanke dahinter ist einfach: Jede Geburt belastet den Beckenboden. Durch frühe Unterstützung können spätere Probleme möglicherweise verhindert oder abgeschwächt werden.


Studien zeigen, dass eine frühzeitige Pessartherapie die Beckenbodenfunktion verbessern kann. Auch Beschwerden wie Harninkontinenz oder Senkungsgefühle gingen in Untersuchungen deutlich zurück. Meist wird empfohlen, ungefähr sechs Wochen nach der Geburt mit der Pessartherapie zu beginnen. 


Pessar und Beckenbodentraining: Eine gute Ergänzung


Wichtig ist: Ein Pessar ersetzt keine Rückbildung oder Physiotherapie! Es ergänzt sie sinnvoll. Während das Pessar den Beckenboden im Alltag entlastet, hilft gezieltes Training dabei, die Muskulatur langfristig wieder aufzubauen. Die Kombination aus Unterstützung und Training führt oft zu den besten Ergebnissen.


Besonders in den ersten Wochen nach der Geburt kann das hilfreich sein. Denn viele Frauen spannen aus Unsicherheit den Beckenboden ständig an. Diese dauerhafte Anspannung kann die Muskulatur zusätzlich erschöpfen und verspannen. Mit einem Pessar fällt es oft leichter, den Beckenboden wieder zu entspannen.


Sich frühzeitig informieren lohnt sich!


Viele Frauen müssen zu lange warten, bis sie Hilfe bekommen. Erst wird wochenlang trainiert, dann folgen Arzttermine, Untersuchungen und oft lange Unsicherheit. Dabei könnten Pessare schon früh eingesetzt werden – oft direkt nach dem Wochenbett.


Frauen sollten sich deshalb nicht scheuen, Hebammen, Physiotherapeutinnen oder Ärztinnen und Ärzte aktiv darauf anzusprechen. Es gibt viele verschiedene Formen und Größen von Pessaren. Manchmal braucht es etwas Geduld, bis das passende Modell gefunden ist. Doch wenn ein Pessar gut sitzt, kann es den Alltag enorm erleichtern.


Fazit:


Nicht erst schwere Beschwerden sollten ernst genommen werden. Der Beckenboden darf sich nach einer Geburt erholen – und dabei kann Unterstützung sinnvoll sein.
So wie die Rückbildung heute selbstverständlich empfohlen wird, könnte auch die frühe Pessartherapie künftig für viele Frauen dazugehören. Nicht als Zeichen von Schwäche, sondern als Hilfe für Heilung, Stabilität und langfristige Gesundheit des Beckenbodens.

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Foto: © RDNE Stock Project/pexels

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